|
Ein Kommentar
Es gibt Menschen, die sagen, man käme schneller in Untersuchungshaft, als einem lieb wäre. Man
wird relativ unvorhergesehen "zur Sicherung eines Hauptverfahrens" festgehalten und muss viel
Ungewohntes erleben. Zunächst wird man aus seiner 'normalen' Umgebung gerissen. Wer Glück
hat, hat Familie und oder gute Freunde, die sich um 'alles' Kümmern. 'Alles' bedeutet in diesem
Fall das Aufrechterhalten der Lebensumstände wie Wohnung oder Zahlungs Ein-und Ausgänge.
Wer weniger Glück hat, muss 'alles' aufgeben und steht im Zweifel am Ende der Haft alleine da,
ohne Heim und Job.
Während der Untersuchungshaft, während also herausgefunden wird, ob man schuldig oder
unschuldig ist, lebt man in einer Zelle mit Bett, Tisch, Stuhl, Waschbecken, Klo und Fenster. Alle 14
Tage darf man für 30 Minuten Besuch bekommen. Bei einer entsprechenden richterlichen
Erlaubnis darf man einmal pro Woche fünf Minuten lang telefonieren. Vorausgesetzt, die
Haftanstalt kann das gewährleisten. Sprich, die personelle Situation lässt dies zu. Denn diese
Gespräche dürfen nur im Beisein eines Justitzvollzugsbeamten geführt werden. Eine Stunde am
Tag hat man Freizeit, darf nun mit dem gesamten Zellentrakt in den Hof. Die Uhrzeit ist festgelegt,
unabhängig vom Wetter.
"Es geschieht ihm ganz Recht!" mögen manche jetzt denken. Jemand hat eine Straftat begangen,
nun hat er dafür zu büßen. Doch stellen Sie sich vor, jemand wird 'unschuldig' inhaftiert. Sie
werden isoliert von der Gesellschaft gehalten wie ein Tier im Käfig. Das Leben 'draußen' geht
weiter. Ohne Sie. Wenn Sie ein gläubiger Mensch sind, hilft Ihnen der Glaube. Wenn Sie ein
gläubiger Mensch sind, möchten Sie diesen Glauben praktizieren und mit einem geistlichen
Beistand kommunizieren. Das hilft Ihnen bei der Bewältigung der Erlebnisse 'hinter Gittern' und
derer 'draussen'. Wenn Sie 'schuldig' gesprochen werden, haben Sie eine Strafe zu erwarten.
Denn Strafe, so sieht es die Deutsche Rechtsprechung vor, soll abschrecken. Sie sollen nie wieder
die selbe Straftat begehen wollen.
Überlastete Sozialarbeiter und fehlende Seelsorger helfen nicht dabei.
Etwa 90 Prozent der in Berlin inhaftierten Männer bezeichnen sich selbst als gläubige Moslems.
Sollte man diesen Menschen nicht einen kompetenten Geistlichen zur Seite stellen, der ihnen hilft,
die Umstände zu verarbeiten, damit fertig zu werden und an sich zu arbeiten?
Es gibt auch in Deutschland menschenunwürdige Situationen. Das muss geändert werden.
Berlin, den 07. Februar 2010
Prof. h.c. Dr. jur. Abdurrahim Vural Präsident
Kommentar vom 07.02.2010 Telefon: 030 / 841 15 730 Telefax: 030 / 841 15 728 E-Mail: info@islamische-religionsgemeinschaft.de Internet: http://www.islamische-religionsgemeinschaft.de
|