.

Deutsch Türkisch Englisch Französisch Spanisch Niederländisch Arabisch

Aktuelles vom 06.03.2010
Zur Notwendigkeit der Ausbildung von islamischen Religionslehrern und Imamen in Deutschland

Die Begegnung der Deutschen mit den Muslimen geht in der Geschichte weit zurück. Schon Karl der Große im 8. Jahrhundert pflegte gute Kontakte zu Bagdad, dem damaligen Zentrum des islamischen Kalifats.

In den Jahren zwischen 1713 und 1730 wurden dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm der I. zwanzig türkische Soldaten zur Verfügung gestellt. Der König ließ für sie in Potsdam einen Saal in der Nähe der neuen Soldatenkirche (Garnisonskirche) als Moschee herrichten.

Als im Jahre 1740 Friedrich II. eine Anfrage vorgelegt wurde, ob in der evangelischen Stadt ein Katholik das Bürgerrecht erwerben dürfe, schrieb er: “Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind; und wenn die Türken kämen und wollten hier im Lande leben, da würden wir ihnen Moscheen bauen.’’

Im Jahre 1914 löste Kaiser Wilhelm II. sein Versprechen ein, indem er eine Moschee für die muslimischen Gefangenen in Wunsdorf bei Zossen (Brandenburg) mit einem 21 Meter hohen Minarett bauen ließ und ca. eine Stunde entfernt davon einen muslimischen Soldatenfriedhof. Diese Moschee diente nach dem 1. Weltkrieg den Berliner Muslimen als erste Gebetsstätte.1924 wurde sie wegen Einsturzgefahr geschlossen und 1925/26 abgerissen. Mittlerweile leben weit über drei Millionen Muslime aus fast allen islamischen Ländern in Deutschland .

Seit über drei Jahrzehnten wird nun bereits über islamischen Religionsunterricht an Schulen in Deutschland diskutiert. Trotzdem war es bis jetzt nicht möglich, einen ordentlichen islamischen Religionsunterricht an Schulen in Deutschland einzuführen. Es blieb bei Modellversuchen, die nur wenige muslimische Schülerinnen und Schüler in einigen Bundesländern erreichen. Die Ursachen für diesen aus der Sicht der Muslime unbefriedigenden Sachverhalt ist eine sehr komplexe Problemlage, zu deren Lösung langwierige Verhandlungsprozesse zwischen Staat und muslimischen Verbänden erforderlich sind. Eines dieser Probleme ist, dass es an islamischen Religionslehrern fehlt, die die Vorraussetzungen für das deutsche Bildungssystem erfüllen. Die Lösung dieses Problems bedarf also der Errichtung eines Studienfachs an einer oder mehreren deutschen Universitäten, um genügend islamische Religionslehrer auszubilden. Der Koranunterricht alleine, wie es bis jetzt der Fall ist, reicht meines Erachtens nach nicht aus, um die islamischen Kinder mit ihrer Religion vertraut zu machen. Ein islamischer Religionslehrer soll dazu beitragen, dass die islamischen Schüler und Schülerinnen in den Islam eingeführt werden und ihnen beibringen, dass die Einstellung des Islams zum Judentum und Christentum von Achtung und Respekt geprägt ist. Das Ziel des islamischen Religionsunterrichts ist, zur Integration der Muslime in der deutschen Gesellschaft beizutragen und so die Ausgrenzung oder die totale Assimilation zu vermeiden. Diese Aufgabe kann und darf nur von in Deutschland gut ausgebildeten islamischen Religionslehrern übernommen werden, die mit den Verhältnissen und der Lebensqualität in Deutschland vertraut sind und die den Religionsunterricht entsprechend konzipieren. Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung, dass der Unterricht in Deutsch stattfindet, weil die muslimischen Schülerinnen und Schüler aus vielen islamischen Ländern kommen und verschiedene Muttersprachen haben, die sie selbst auch nur ungenügend beherrschen. Die deutsche Sprache ist also neben ihrem islamischen Glauben, das einzige, was sie gemeinsam haben.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht an staatlichen Schulen sind in Artikel 7, Absatz 3 GG festgehalten. Selbst die christlichen Kirchen haben sich für die Einführung des islamischen Religionsunterrichts ausgesprochen. Die Muslime und deren islamischen Gemeinschaften sind gut beraten, wenn sie dieses Angebot von deutscher Seite annehmen und sich von der Bindung an die ursprünglichen Heimatländer lösen. Die Einflussnahme der Staaten in den Heimatländern kann nur hinderlich sein und trägt nicht zur Kooperation zwischen den islamischen Verbänden und den deutschen Kultusbehörden bei.

Der Islam besteht nicht nur aus Riten und Bekenntnissen oder aus Verboten und Geboten, sondern hat viele Werte, Normen und Weltanschauungen, mit denen ein Muslim zu der deutschen Gesellschaft positiv etwas beitragen kann. Diese Werte und Normen können nur durch vor Ort gut ausgebildete islamische Religionslehrer vermitteln werden.

Man darf nicht den gleichen Fehler wie im Negativbeispiel Österreich wiederholen. Dort hat man mit massiver ägyptischer Entwicklungshilfe eine Lehrerausbildung für die Primar- und Sekundarstufe 1 aufgebaut, die die Lebensqualität der in Österreich lebenden Muslime nur am Rande zur Kenntnis nahm. Dies zeigte sich vor allem darin, dass die jungen muslimischen Lehramtsstudentinnen und Studenten, die in der Regel in Österreich aufgewachsen sind und über einen türkischen Zuwanderungshintergrund verfügen, erst nach umfangreichem Arabischstudium ihr Fachstudium aufnehmen konnten. Der Grund für diese ungewöhnlichen Maßnahmen liegt darin, dass ein Teil der Dozenten aus Ägypten kamen und über unzureichende oder gar keine Deutschkenntnisse verfügten.

Genauso verhält es sich auch mit den in vielen islamischen Moscheen in Deutschland predigenden Imame. Viele deutsch-türkische Soziologen weisen darauf hin, dass die meisten Imame, die in den islamischen Moscheen predigen, keine oder nur eine mangelhafte theologische Ausbildung haben. Hinzu kommt die Unwissenheit über die Verhältnisse in Deutschland und die Lebensqualität der Menschen hier zu Lande. Dies ergab eine Studie, in der 21 Imame befragt wurden. Das besorgniserregende Fazit: Viele Imame behindern die Integration.

Auch hier bedarf es also der Ausbildung von islamischen Predigern. Der Ruf nach in Deutschland ausgebildeten Imamen wird immer lauter. Diese sollen aus der Mitte der in Deutschland lebenden und aufgewachsenen Muslimen kommen, die die deutsche Schulausbildung abgeschlossen haben und speziell ein für das Amt eines Imams eingerichtetes Studienfach an deutschen Universitäten absolvieren. Eine verkürzte theologische Zusatzausbildung in einem islamischen Land wäre nicht verkehrt. Bis jetzt war es so, dass das türkische Amt seine Imame für vier Jahre nach Deutschland gesendet hat. Sie können kaum deutsch und kennen die Probleme der türkischen Migranten nur wenig.

Erstellt von Prof. h.c. Dr. jur. Abdurrahim Vural

Quelle :Internet
Der Islam in Deutschland, Hamideh Mohagheghi,
Zwischen Preussenadler und Hakenkreuz. Islam in Deutschland von 1739 - 1945
in Dunia –Hochschulzeitschrift .Zentralinstitut Islamarchiv –Deutschland .Soest.

Mitteilung vom 06.03.2010

Rückfragen: Chef vom Dienst
Telefon: 030 / 841 15 730
Telefax: 030 / 841 15 728
E-Mail: info@islamische-religionsgemeinschaft.de
Internet: http://www.islamische-religionsgemeinschaft.de




Islamische Religionsgemeinschaft K.d.ö.R.- D-10707 Berlin, Xantener Str. 8
Telefon: 030 / 841 15 730 - Fax: 030 / 841 15 728 - e-Mail: info@islamische-religionsgemeinschaft.de


/

Page last modified on March 06, 2010, at 03:57 PM